Balance zwischen Medizin, Bewegung – und dem eigenen Mindset

Adipositas ist weit mehr als eine Frage des Gewichts. Sie betrifft den gesamten Stoffwechsel, beeinflusst Beweglichkeit, Herz-Kreislauf-Gesundheit und Hormone – und wirkt zugleich tief auf das Selbstbild und die psychische Gesundheit. Dennoch wird sie bis heute häufig missverstanden. An dieser Stelle greift Rehabilitation – umfassend gedacht, respektvoll im Umgang und auf langfristige Wirkung ausgerichtet.

Klinikum Bad Gleichenberg | Primar Priv.-Doz. Dr. Karl Horvath, Ärztlicher Leiter | KoFü | Kollegiale Führung | Führungskraft

„Adipositas ist eine chronische Erkrankung und meist nicht alleinstehend“, betont Prim. Priv.-Doz. Dr. Karl Horvath, Ärztlicher Direktor im Klinikum Bad Gleichenberg. „Die Grundlage jeder Behandlung ist nach wie vor die Umstellung auf einen gesunden Lebensstil. Medikamente sind der zweite oder dritte Schritt.“

In den vergangenen Jahren rückten sogenannte „Abnehmspritzen“ stark in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Sie können die Gewichtsabnahme erleichtern, sind aber kein Allheilmittel. Studien zeigen: Zwar verlieren viele Betroffene damit Gewicht, doch ohne begleitende Lebensstiländerung kommt es nach dem Absetzen häufig zu einer erneuten Gewichtszunahme. Zudem sind Nebenwirkungen, Kosten und die Notwendigkeit einer langfristigen Anwendung zu berücksichtigen.

„Mein Credo lautet: Reha zuerst – Spritze danach, wenn nötig“, so Dr. Horvath. „In der Reha erhalten Patient:innen das Rüstzeug, um ihren Energiehaushalt dauerhaft ins Gleichgewicht zu bringen. Medikamente können unterstützen, ersetzen aber weder Bewegung, Ernährung noch Stressmanagement.“

Der Dreiklang der Reha: Medizin, Bewegung und Ernährung

In der stationären Stoffwechsel-Reha im Klinikum Bad Gleichenberg stehen nicht schnelle Erfolge auf der Waage im Vordergrund, sondern nachhaltige Veränderungen. In der geschützten Umgebung arbeiten Ärzt:innen, Diätolog:innen, Physiotherapeut:innen und Psycholog:innen eng zusammen. Bewegung wird individuell angepasst: von gelenkschonendem Training bis hin zu gezieltem Muskelaufbau.
Bewegung ist dabei kein kurzfristiges Trainingsprogramm, sondern ein zentraler Baustein für einen stabilen Stoffwechsel. „Patient:innen können auch zu Hause viel zur Stabilisierung ihres Gewichts und ihrer Gesundheit beitragen“, erklärt Jasmin Wegmayer, BSc., Physiotherapeutin im Klinikum Bad Gleichenberg. „Regelmäßiges, moderates Ausdauertraining unterstützt nachhaltig die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Empfohlen werden etwa 150 bis 300 Minuten pro Woche.“

Jasmin Wegmayer, BSc.
Physiotherapeutin im Klinikum Bad Gleichenberg

Ergänzend dazu rät sie zu zwei- bis dreimal wöchentlichem Krafttraining: „Muskelaufbau regt den Stoffwechsel an und erhöht den Grundumsatz – der Körper verbrennt also auch im Ruhezustand mehr Energie.“ Entscheidend ist dabei vor allem eines: „Bewegung wirkt dann am besten, wenn sie langfristig in den Alltag integriert und regelmäßig ausgeübt wird.“

Eine tragende Rolle spielt auch die Ernährung. „Regelmäßige Mahlzeiten helfen, den Körper gut zu versorgen, eben Struktur im Alltag und schützen vor abendlichem Überessen sowie ständigem Snacken“, erklären die Diätologinnen Mag.a Eva Stiene, Julia Weilharter, BSc., Laura Hammer, BSc. und Katrin Hirschmann, BSc. aus dem Klinikum Bad Gleichenberg.

Mag.a Eva Stiene, Julia Weilharter, BSc. und Laura Hammer, BSc.
Diätologinnen im Klinikum Bad Gleichenberg

Dabei geht es nicht um Verbote oder starre Pläne, sondern um alltagstaugliche Strategien. „Erlauben Sie sich Schwankungen. Gewichtsreduktion ist ein Lernprozess, kein gerader Linienverlauf“, betonen die Diätologinnen. Und weiter: „Setzen Sie sich nach der Reha ein oder zwei kleine, gut erreichbare Ernährungsziele. Denn Veränderungen wirken am nachhaltigsten, wenn sie Schritt für Schritt erfolgen.“ Reha vermittelt damit nicht nur Wissen, sondern stärkt die Eigenverantwortung – ein entscheidender Faktor für langfristige Gesundheit.

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